Restalkohol am Morgen danach
Wer nachts um zwei aufhört zu trinken, ist um acht Uhr morgens oft noch nicht nüchtern — fühlt sich aber so. Das ist die gefährliche Kombination.
Vorweg
Dieser Artikel erklärt, wie der Abbau rechnerisch funktioniert. Er ist keine Grundlage für die Entscheidung, ob Sie fahren dürfen. Jede Formel liefert einen Mittelwert; Ihr tatsächlicher Wert kann deutlich darüber liegen. Bei einer Kontrolle zählt allein die Messung. Im Zweifel: stehen lassen.
Wie schnell baut der Körper Alkohol ab?
Etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde. Frauen liegen im Mittel eher bei 0,1, Männer zwischen 0,1 und 0,2. Als Rechenwert wird üblicherweise 0,15 ‰ pro Stunde angesetzt.
Diese Rate ist nahezu konstant. Anders als bei der Aufnahme, die von Mageninhalt und Trinktempo abhängt, arbeitet die Leber beim Abbau mit weitgehend gleichbleibender Geschwindigkeit — unabhängig davon, wie viel noch im Blut ist.
Daraus folgt die unangenehme Rechnung: Wer bei 1,0 ‰ aufhört, braucht rund sieben Stunden, bis nichts mehr da ist. Bei 1,5 ‰ sind es etwa zehn.
Warum der Morgen danach so oft unterschätzt wird
Das subjektive Gefühl folgt nicht dem Promillewert. Nach ein paar Stunden Schlaf sind die spürbaren Effekte — Müdigkeit, Schwindel, Enthemmung — weitgehend verschwunden, während der Alkohol im Blut noch da ist.
Ein Beispiel mit realistischen Zahlen:
| Uhrzeit | Vorgang | Rechnerischer Wert |
|---|---|---|
| 02:00 | letztes Glas, Höchstwert erreicht | 1,50 ‰ |
| 06:00 | vier Stunden Abbau | 0,90 ‰ |
| 08:00 | sechs Stunden Abbau | 0,60 ‰ |
| 10:00 | acht Stunden Abbau | 0,30 ‰ |
| 12:00 | zehn Stunden Abbau | 0,00 ‰ |
Um acht Uhr morgens läge der Wert in diesem Beispiel bei 0,60 ‰ — über der 0,5-Promille-Grenze, also im Bereich der Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld, Punkten und Fahrverbot. Und das nach sechs Stunden Schlaf.
Was den Abbau nicht beschleunigt
Kaffee, kalte Duschen, fettiges Essen, Sport, Wasser trinken, frische Luft — nichts davon verändert die Abbaurate der Leber. Sie machen wacher, nicht nüchterner, und genau das ist das Problem: Sie verstärken das Gefühl, fahrtüchtig zu sein, ohne den Wert zu senken.
Es gibt exakt einen Faktor, der hilft, und das ist Zeit.
Die Grenzwerte in Deutschland
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
| 0,0 ‰ | Pflicht in der Probezeit und für Fahrer unter 21 Jahren |
| ab 0,3 ‰ | strafbar bei Ausfallerscheinungen oder einem Unfall |
| ab 0,5 ‰ | Ordnungswidrigkeit — Bußgeld, Punkte, Fahrverbot |
| ab 1,1 ‰ | absolute Fahruntüchtigkeit, Straftat |
Für Fahranfänger in der Probezeit ist die Rechnung besonders unbarmherzig: Dort gilt 0,0 ‰, und der Restalkohol muss vollständig abgebaut sein — nicht nur unter 0,5.
Warum jede Berechnung nur eine Schätzung ist
Die Widmark-Formel setzt einen mittleren Menschen voraus. Sie kennt weder Ihren Mageninhalt noch Ihr Trinktempo, weder Medikamente noch Tagesform noch Ihre individuelle Abbaurate.
Abweichungen von mehreren Zehntel Promille nach oben sind normal. Eine Rechnung, die 0,45 ‰ ergibt, kann in Wirklichkeit 0,7 ‰ bedeuten — und damit den Unterschied zwischen unauffällig und Fahrverbot.
Deshalb taugt jede Berechnung zum Verstehen der Größenordnung, aber nie als Freigabe.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis Alkohol abgebaut ist?
Der Körper baut etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde ab, als Rechenwert gilt 0,15. Bei 1,0 Promille dauert es also rund sieben Stunden, bei 1,5 Promille etwa zehn.
Kann ich den Alkoholabbau beschleunigen?
Nein. Kaffee, kalte Duschen, Essen oder Sport ändern die Abbaurate nicht. Sie machen wacher, nicht nüchterner — was die Selbsteinschätzung zusätzlich verfälscht.
Habe ich am nächsten Morgen noch Restalkohol?
Häufig ja. Wer nachts bei 1,5 Promille aufhört, liegt nach sechs Stunden Schlaf rechnerisch noch bei etwa 0,6 Promille — über der 0,5-Grenze.
Größenordnung selbst abschätzen
Der Promillerechner rechnet nach Widmark und zeigt neben dem aktuellen Schätzwert auch, wie lange es bis 0,5 ‰ und bis 0,0 ‰ dauert. Er ist zum Verstehen gedacht, nicht zum Freigeben — und sagt das auf jedem Ergebnis noch einmal.