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Prozentpunkte oder Prozent?

Ein Zinssatz steigt von 2 % auf 3 %. Ist das ein Anstieg um einen Prozentpunkt oder um 50 %? Beides ist richtig — und genau darin liegt die Verwechslungsgefahr.

Von [VORNAME NACHNAME] · Zuletzt geprüft am

Die kurze Antwort

Prozentpunkte beschreiben die absolute Differenz zwischen zwei Prozentangaben. Von 2 % auf 3 % ist ein Prozentpunkt.

Prozent beschreibt die relative Veränderung. Von 2 % auf 3 % ist ein Anstieg um 50 %, weil ein Prozentpunkt gerade die Hälfte von zwei Prozentpunkten ist.

Prozentpunkte = neu − alt · Prozent = (neu − alt) ÷ alt × 100

Warum der Unterschied so leicht untergeht

Weil beide Angaben dieselbe Veränderung beschreiben und beide stimmen. Wer eine Zahl größer wirken lassen will, greift zur relativen Angabe; wer sie kleiner wirken lassen will, zur absoluten. Aus derselben Erhöhung wird so wahlweise ein „Anstieg um 50 Prozent" oder ein „Plus von einem Punkt".

Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Bank hebt den Sparzins von 0,5 % auf 1,0 % an. Die Pressemitteilung wird von einer Verdoppelung sprechen — also plus 100 %. Auf dem Konto sind es bei 10.000 € Guthaben jedoch 50 € mehr im Jahr. Beide Zahlen beschreiben denselben Vorgang, aber nur eine davon sagt etwas darüber aus, wie viel Geld tatsächlich ankommt.

Eine Tabelle zum Nachschlagen

VonAufProzentpunkteProzent
2 %3 %+1+50 %
0,5 %1,0 %+0,5+100 %
20 %21 %+1+5 %
40 %30 %−10−25 %
80 %82 %+2+2,5 %

Auffällig ist die letzte Zeile: Je größer der Ausgangswert, desto kleiner fällt dieselbe absolute Änderung relativ aus. Zwei Prozentpunkte auf 80 % sind kaum der Rede wert, zwei Prozentpunkte auf 2 % wären eine Verdoppelung.

Wo es praktisch wichtig wird

Kredite und Sparzinsen. Ein Zinsunterschied von einem Prozentpunkt klingt klein, macht über zwanzig Jahre aber Tausende Euro aus. Vergleichen Sie hier absolut, nicht relativ.

Wahlergebnisse. Eine Partei kommt von 4 % auf 6 %. Das sind zwei Prozentpunkte — und 50 % Zuwachs. Für den Einzug ins Parlament zählt allein die absolute Zahl.

Arbeitslosen- und Inflationsraten. Diese werden fast immer in Prozentpunkten verglichen, weil sie selbst schon Quoten sind. Wer sie relativ angibt, ohne es zu sagen, übertreibt systematisch.

Woran Sie erkennen, welche Angabe gemeint ist

In Nachrichtentexten fehlt die Einheit oft. Zwei Anhaltspunkte helfen weiter.

Erstens: Worüber wird gesprochen? Ist die Ausgangsgröße selbst schon eine Quote — ein Zinssatz, eine Arbeitslosenquote, ein Wahlergebnis, eine Inflationsrate —, dann sind Prozentpunkte gemeint, sobald zwei Stände verglichen werden. Geht es dagegen um Preise, Mengen oder Umsätze, kann es nur eine relative Angabe in Prozent sein.

Zweitens: Wie groß ist die Zahl? Eine Meldung über „50 Prozent mehr" bei einem Zinssatz, der von 2 auf 3 gestiegen ist, wirkt dramatisch — und ist genau deshalb so formuliert. Kommt Ihnen eine Prozentangabe unverhältnismäßig groß vor, prüfen Sie, ob die Ausgangsgröße klein war. Bei kleinen Ausgangswerten erzeugt schon eine winzige absolute Änderung einen riesigen relativen Wert.

Die Umkehrung gilt genauso: Wer eine Veränderung kleinreden möchte, nennt bei einer großen Ausgangsgröße lieber die Prozentpunkte. Zwei Prozentpunkte auf 80 Prozent klingen nach nichts — es sind aber dieselben zwei Punkte, die auf 2 Prozent eine Verdoppelung wären.

Die Faustregel

Vergleichen Sie zwei Größen, die selbst schon in Prozent angegeben sind, rechnen Sie in Prozentpunkten. Vergleichen Sie zwei absolute Größen — Preise, Gewichte, Einwohnerzahlen — rechnen Sie in Prozent.

Und wenn Sie eine Angabe lesen, bei der die Einheit fehlt: Sie ist im Zweifel so gewählt, dass die Zahl eindrucksvoller aussieht.

Selbst nachrechnen

Die relative Veränderung zwischen zwei Werten können Sie direkt im Prozentrechner ausrechnen — wählen Sie dort die Rechenart Veränderung von X auf Y. Die Prozentpunkte sind einfach die Differenz der beiden Zahlen.

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